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Integration bei der Buchbinderei Schaumann

Buchbinderei Schaumann"Bei meinen Überlegungen, Ihnen die Beweggründe zu nennen, weshalb wir
Schwerbehinderte beschäftigen, fiel mir auf, dass wir uns vermutlich als klein- bis
mittelständischer Betrieb völlig unterscheiden zu großen Firmen.

Wir sind ein Familienunternehmen mit Tradition und dies bedeutet, man hat nicht nur den
Beschäftigten gegenüber eine Verantwortung, sondern auch deren Familien. Man kann
sagen, wir sind eine große Familie. Unweigerlich bekommt man nun einzelne Schicksale aus
den Familien zugetragen, die einen natürlich mehr bewegen als das gleiche Schicksal eines
völlig Fremden. Plötzlich stellt man sich die Frage, dass, wenn man sich z. B. gegenüber
chronisch Kranken oder Schwerbehinderten weiter verschließt, man genau zu denen als
Unternehmer zählt, die ,wenn man das Schicksal eines einzelnen erzählt bekommt, verurteilt.

Das ganze jedoch ist ein Entwicklungsprozess, man muss, und das haben auch wir,
Vorurteile lernen abzubauen. Vorurteile gegenüber Schwerbehinderten bestehen überwiegend
im Bereich der Leistungsfähigkeit und auch der Fehlzeiten. Aus unserer Erfahrung heraus hat
sich dies jedoch nur teilweise bestätigt. Auch hier wird es die sogenannten „schwarzen
Schafe“ geben, wie bei Nichtbehinderten auch. Ein weiteres Problem stellt der
Kündigungsschutz dar, dies ist nun mal Fakt. Jedoch auch hier ist der allgemeine
Kenntnisstand Schwerbehinderte = unkündbar. Hier ist Aufklärung angesagt.

Was wichtig ist zu wissen, vor allem in Klein- und Mittelbetrieben, dass es diverse
Programme gibt, die zum einen Praktika von Schwerbehinderten fördert und auch finanzielle
Unterstützungen zur Verfügung stehen und die lassen eine geringere Leistungsfähigkeit wohl
verschmerzen.

Wir haben über ein solches Praktikum einen Schwerbehinderten gefunden, der 20 Jahre in
einer Firma tätig war, die dann schließlich geschlossen wurde und nun stand er über mehrere
Jahre auf der sogenannten „Straße“. Er wollte arbeiten, aber keiner hat ihm eine Chance
gegeben. Nun sind zwei Jahre vergangen und dieser Mitarbeiter ist immer noch bei uns und
eigentlich nicht wegzudenken für die Tätigkeiten, die er mit seinem Handicap ausführen kann.
Er ist nicht mehr oder weniger krank als andere. Und dann das kleine „Schmankerl“: er ist der
einzige, der sich bei Betriebsfeiern regelrecht für seinen „zur Verfügung gestellten“
Arbeitsplatz bedankt und das ist auch ein schöner Moment für einen Unternehmer.

Kurz um, jeder Unternehmer hat die Verpflichtung, auch ein soziales Engagement zu
übernehmen, denn letztendlich kann es jeden irgendwann treffen. Des weiteren haben wir
festgestellt, dass es immer irgendwo einen Arbeitsplatz im Unternehmen gibt, in dem man
Schwerbehinderte beschäftigen kann, sei es als Hilfsarbeiter oder Fachkraft. Man muss sich
nur von seinem Vorurteil im Kopf befreien..."

Ulrike Vettermann
Darmstadt, 22.08.2002

Buchbinderei Schaumann GmbH
Michaelisstr. 74
64293 Darmstadt


http://www.buchbinderei-schaumann.de